Aus dem Leben eines Tragepapas

Letzte Woche hat uns der liebe Timo vom Instagramprofil @_happy.dad_ ein Live Interview auf unserem Instagramprofil (https://www.instagram.com/kokadi/) mit Euren Fragen zum Thema „Tragepapas“ gegeben. Für alle, die nicht dabei sein konnten, haben wir die beliebtesten und spannendsten Fragen noch einmal in ein kleines Interview gepackt. Viel Spaß beim Lesen!

 

Lieber Timo, vielen Dank dass Du Dir die Zeit nimmst, uns ein bisschen aus Deinem Alltag zu berichten! 

- Möchtest Du Dich und Deine Familie kurz vorstellen? 

Gern! Mein Name ist Timo, ich bin 32 Jahre alt und seit November 2017 ganz stolzer Papa von Joris. Wir sind seit September 2017 verheiratet und sind somit den ganz spießig klassischen Weg gegangen. Naja halb. Das Haus mit der Kieselsteinauffahrt fehlt noch ;). Ich bin gebürtiger Hamburger, meine Frau kommt aus Dinslaken und wir haben uns ganz klischeehaft auf der Arbeit im Büro kennen und lieben gelernt. Mittlerweile wohnen im wir im schönen Neuss im Grünen direkt am Waldrand – ein Traum zum Großwerden für den Kleinen. Sofern er das später genau so sieht.

 

- In den vergangenen Jahren ist das Tragen von Babys immer populärer geworden. Wie seid ihr denn zum Tragen gekommen? Stand bereits in der Schwangerschaft fest, dass das etwas ist, was ihr ausprobieren wollt?

Die Familie meiner Frau hat sich schon früher mit alternativen Erziehungsmethoden (dem heutigen Attachement Parenting), alternativen Ernährungsformen und eben auch dem Tragen beschäftigt. So wurde auch sie im Babyalter schon im Tragetuch durch den Tag getragen, beruhigt und beschützt. Somit war von Beginn an klar, dass auch wir das Tragen in jedem Fall für uns etablieren möchten.

Ich persönlich habe mit Beginn der Schwangerschaft dann angefangen darüber zu lesen. Das Thema Bindung und auch das Gefühl von Geborgenheit und Nähe für das getragene Baby waren für mich so einleuchtend und schön, dass ich sofort überzeugt war, dass das Tragen für jedes Kind das absolut Schönste sein muss.

 

- Wie würdest Du sagen, bereichert das Tragen euren Alltag? Worin liegen Deiner Meinung nach die Vor- und auch Nachteile?

Die Bereicherung im Alltag ist – wenn sich das Tragen eingespielt hat – enorm. Besonders schön finde ich, dass es eben für alle spürbar ist. Als Papa habe ich das Gefühl mein Kind so nah wie sonst nie bei mir zu haben und das löst ein wirklich nicht beschreibbares Gefühl von Liebe und Geborgenheit aus – so kitschig das für Männerohren auch manchmal klingen mag. Dieses Gefühl überträgt sich natürlich auch auf das getragene Kind und lässt es sich einfach rundum wohl und geborgen fühlen.

Und um es (grade für uns Männer) mal pragmatisch zu gestalten, gibt es jetzt noch eine Liste:

Vorteile:

• Das Baby schläft unvergleichlich schnell und gut ein

• Das Baby lässt sich bei Schreianfällen durch das Tragen meist unmittelbar beruhigen

• In einer guten Trage hat man ein wunderschönes Nähe-Gefühl, was als Papa oft entweder nicht so leicht zu finden ist, oder durch weniger Zeit mit dem Nachwuchs eine viel höhere Bedeutung hat

• Man(n) hat das Gefühl das Baby viel besser beschützen zu können als im Kinderwagen

• Zu guter Letzt: Draußen das Baby tragen macht einfach stolz und sieht mit einer schicken Trage auch noch verdammt stylisch aus!

 

Nachteile:

• Wie jetzt?

 

- Als Tragepapa bist Du in der Community ja leider oft noch in der Minderheit. Hast Du das Gefühl, besonders herauszustechen? 

Dass wir als Männer und Papas noch in der Minderheit sind, halte ich für ganz normal. Klar, ich wünschte mir auch es wäre nicht so, doch das muss wie alles andere auch wachsen. Die Vaterrolle hat in den letzten Jahrzehnten die größte Veränderung der Geschichte erfahren. Noch vor 20 Jahren waren Elternzeit für den Vater und Tragetücher an Männerkörpern fast undenkbar. Heute bekommt man manchmal das Gefühl, Papas möchten am liebsten die besseren Mamas sein.

 

Das ist natürlich überspitzt formuliert. Und gleichzeitig finde ich diese Entwicklung einfach nur toll – vor allem für das Kind. Und darum geht es doch oder? Insofern steche ich hier allein schon deswegen gern etwas heraus. Um so oft und so laut wie möglich zu zeigen: Tragen ist keine „Frauensache“! Tragen ist überhaupt keine geschlechterabhängige Sache. Sondern im Fokus steht euer Kind – und alles was eurem Kind und der Bindung gut tut sollte man(n) auch in Erwägung ziehen.

 

- Bist du bereits Vorurteilen dem Tragen gegenüber begegnet, insbesondere als Tragepapa?

Oh ja. Und das nicht zu knapp. Meistens kommt die Kritik „durch die Blume“. Ein komischer Blick gepaart mit einem „für mich wäre das nichts“ sagt ja auch schon einiges aus. Im Geburtsvorbereitungskurs in dem ich war gab es auch eine „Männerrunde“. Dort wurde mir recht deutlich bewusst dass Themen wie Tragen in den meisten Männerköpfen noch als kleines Tabu herumschwirrt. Ich glaube dass Männer einfach generell eher pragmatische, handfeste und vor allem altbewährte Dinge bevorzugen. Ein Kind = Kinderwagen. „War schon immer so, mach ich auch so.“  Zack. Kinderwagen gekauft. 

 

Neue Dinge und Wege ausprobieren lohnt sich so sehr! Aber wenn man es tut muss man eben auch mit ein wenig Gegenwind rechnen – das ist doch bei allem so.

 

- Was würdest Du anderen Papas mit auf den Weg geben, die sich nicht trauen, das Tragen mal auszuprobieren? 

Nur zwei wirklich entscheidende Dinge:

  1. Offenheit für alle Themen in Bezug auf eure Kinder. Kein Theme ist zu weiblich, keines zu männlich. Mit der Geburt eures Kindes ist sowieso alles neu. Habt also auhc für alle Themen die euch komisch vorkommen erstmal ein offenes Ohr und probiert alles aus. Wenn es euer Kind glücklihc macht ist das Ziel erreicht. Die eigenen Belange müssen wir Männer dann vielleicht auhc mal zurückstellen.

 

  2. Eine gute Trageberatung buchen. Mir hat das unendlich gut geholfen. Googelt einfach nach „Trageberatung + Stadt in der ihr wohnt“ und fragt dort nach ob die Beraterin oder der Berater Kokadi Tragen am Start hat (ist in den meisten Fällen so). Dann einfach mal ganz offen mit dem eigenen Baby ausprobieren und überraschen lassen. Danach kann man dann immer noch eine Entscheidung für oder gegen das Tragen fällen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass auch der letzte Papa vom Tragen überzeugt ist, wenn er die weiche Stirn und die zarten geschlossenen Augen seines schlafenden Kindes 5 cm unter seinem Gesicht hat.

 

Vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten und den kleinen Einblick in Deine Tragepapa-Welt, lieber Timo! 

 

Wir wollen wissen, wie es bei Euch aussieht! Trägt der Papa ebenso leidenschaftlich gern, wie der Timo? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!

 

 

 

 

Bitte gib die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.